Fünf Gewerke, ein Termin: die Technik für 37 Räume, übergeben zum Schulstart
Eine Integrierte Gesamtschule in Mainz hat einen Erweiterungsbau bekommen: vier Geschosse mit 37 Klassen-, Chemie-, Besprechungs- und Nebenräumen. Generalunternehmer war ALHO Systembau. Die Herbert Gruppe hat die gesamte Gebäudetechnik für die Schulerweiterung geplant, geliefert und montiert: Heizung, Lüftung, Sanitär, Kälte und Gebäudeautomation.
Der Termin stand von Anfang an fest: Zum Schulstart musste das Gebäude laufen. Der Anlagenbau lief von Mai bis Ende Juli 2026, vom Erdgeschoss bis zum dritten Obergeschoss und auf dem Dach, in Spitzenzeiten mit rund 20 Monteuren gleichzeitig. Die Gebäudeautomation führt alle Gewerke zusammen: Lüftung, Heizung, Kälte und Laborabluft laufen über eine Regelung. Ende Juli ging das Gebäude komplett an den Bauherrn, rechtzeitig zum Schuljahresbeginn.
„Zwei Lüftungsanlagen, ein Kaltwassersatz, fünf Abzüge mit eigener Abluft, Fernwärme, Sanitär. Dass das in dieser Zeit stand, war eine Teamleistung: unsere Projektleitung, die Obermonteure Lukas Richter und Dennis Kroiß mit ihren Monteuren auf der Baustelle und ALHO als Generalunternehmer, mit dem die Zusammenarbeit ausgezeichnet lief. Das war produktiv, und es hat Spaß gemacht.“
Uwe Schmitt, Projektleiter

Zwei Lüftungsanlagen, über 160 Auslässe
Zwei RLT-Anlagen von Weger auf dem Dach versorgen das Gebäude mit Frischluft: die erste die Schulräume mit 20.000 m³/h, die zweite die Nebenräume mit 13.700 m³/h. Im Gebäude verteilen über 160 Lüftungsauslässe die Luft, in jedem Geschoss dort, wo sie gebraucht wird. Wir haben die Anlagen aufgestellt, die Kanalnetze verlegt und die Auslässe gesetzt. Wie viel Luft ein einzelner Raum bekommt, entscheidet nicht die Anlage, sondern die Regelung im Raum. Dazu mehr im Abschnitt zur Gebäudeautomation.
Eigene Abluft für jeden Abzug
Die Chemieräume stellen eine Anforderung, die eine Klassenraumlüftung nicht abdeckt: Dämpfe aus den Digestorien müssen sicher aus dem Gebäude. Jeder der fünf Abzüge hat deshalb ein eigenes Abluftsystem mit eigenem Ablüfter bekommen, verrohrt in PPS, einem Kunststoff, der den Dämpfen standhält. Die Absaugung läuft bedarfsgerecht: Der Ablüfter arbeitet, wenn der Abzug in Betrieb ist. Die Gebäudeautomation steuert die Ablüfter an und überwacht sie. So ist die Laborabluft in das Lüftungskonzept des Gebäudes eingebunden und steht nicht als Insellösung daneben.


Gekühlte Luft vom Dach
Ein Kaltwassersatz von Trane mit rund 190 kW Kälteleistung steht auf dem Dach. Er kühlt nicht die Räume direkt, sondern die Zuluft der beiden Lüftungsanlagen: Die Frischluft kommt im Sommer schon temperiert in die Klassen. Für einzelne Räume kommen Klimaanlagen dazu, mit einer Außeneinheit auf dem Dach. Die Gebäudeautomation steuert den Kaltwassersatz an und liest seine Betriebsdaten zurück.
Heizungsanlage und Sanitärinstallation
Die Schule wird mit Fernwärme beheizt. Den Neubau haben wir über eine Erdleitung vom Altbau her angeschlossen und die Wärmeverteilung aufgebaut: Verteiler mit Pumpen von Wilo, Heizkreise für die Geschosse, Heizkörper in den Räumen. Fühler im Vor- und Rücklauf liefern der Gebäudeautomation die Werte, mit denen sie die Vorlauftemperatur nach der Außentemperatur führt.
Auf der Sanitärseite haben wir die WC-Anlagen installiert, die Chemieräume mit Wasser versorgt und die Gartenbewässerung über eine Trennstation angeschlossen.stalliert, die Chemieräume mit Wasser versorgt und die Gartenbewässerung über eine Trennstation angeschlossen.

„Bei einem Schulgebäude ist nicht die einzelne Anlage das Thema, sondern das Zusammenspiel:
Dominik Hoffmann, Bereichsleiter Gebäudeautomation
37 Räume, die sich einzeln regeln, dazu Lüftung, Wärme und Kälte über eine Ebene. Das alles
bis zum ersten Schultag ans Laufen zu bringen, war unsere Aufgabe.“

Fünf Controller, 630 Datenpunkte
Fünf E-Line Controller von Saia Burgess Controls bilden die Automationsebene. Sie verarbeiten rund 630 Hardware-I/Os, also 630 Punkte, an denen die Regelung etwas misst oder etwas schaltet: ein Fühler im Klassenraum, eine Klappe im Lüftungskanal, ein Ventil im Heizkreis, eine Rückmeldung vom Kaltwassersatz. Daran hängen über 300 Aktoren und Sensoren, verteilt über vier Geschosse. Die Automation haben wir geplant, montiert, programmiert und in Betrieb genommen, mit zwei bis vier Monteuren und einem Inbetriebnahmetechniker. Dazu gehörten auch die elektrischen Anschlüsse der Komponenten.
Jeder Raum regelt sich einzeln
Die Klassen- und Nebenräume hängen an den zwei Lüftungsanlagen, die Regelung sitzt aber im Raum. Sensoren in der Abluft erfassen die Luftqualität: Steigt sie über den eingestellten Wert, führt die Regelung die Luftmenge nach, sinkt sie wieder, fährt sie zurück. Dazu meldet ein Präsenzmelder in jedem Raum, ob überhaupt jemand da ist. Eine volle Klasse in der dritten Stunde braucht etwas anderes als derselbe Raum am Nachmittag, wenn niemand mehr darin sitzt. Beide Fälle regelt die Automation von allein, für jeden der 37 Räume getrennt. Die Lüftung läuft damit nach dem, was in den Räumen tatsächlich passiert, und nicht nach einem pauschalen Zeitplan.


Wärme, Kälte und alles auf einem Bild
Die Wärmeverteilung regelt die Automation nach der Nutzung: Ein Chemieraum stellt andere Anforderungen als ein Besprechungsraum, ein Nebenraum andere als ein Klassenraum. Lüftung, Heizung, Kälte, Laborabluft, Raumregelung und Brandschutzklappen laufen auf einer grafischen Visualisierung zusammen: Sollwerte, Anlagenzustände und Störmeldungen in der Logik des Gebäudes, nicht in der Logik einzelner Anlagen. Der Betreiber schaut selbst darauf, vor Ort. Einen Fernzugriff gibt es nicht, so war es gewünscht.
Ein Ansprechpartner für die gesamte Gebäudetechnik
Heizung, Lüftung, Sanitär, Kälte und Gebäudeautomation lagen bei diesem Projekt in einer Hand. Für ALHO als Generalunternehmer hieß das: ein Ansprechpartner für die gesamte Gebäudetechnik, ein Terminplan, eine Abstimmung. Schnittstellen zwischen den Gewerken kamen gar nicht erst beim Generalunternehmer an, sie wurden intern geklärt.
Den größten Unterschied macht das bei der Gebäudeautomation. Sie regelt am Ende alles, was die anderen Gewerke einbauen. Weil Planung, Montage und Regelung zusammen liefen, war schon bei der Montage klar, was die Automation später braucht. Die Inbetriebnahme lief mit den Kollegen, die die Anlagen aufgebaut hatten, ohne Umweg.
Was das bringt, zeigt der Termin: fünf Gewerke in rund drei Monaten, übergeben Ende Juli.
Highlights der Case Study
- Gebäudetechnik in fünf Gewerken: Planung, Lieferung und Montage von Heizung, Lüftung, Sanitär, Kälte und Gebäudeautomation
- Anlagenbau in rund drei Monaten, Übergabe termingerecht Ende Juli zum Schulstart
- Zwei RLT-Anlagen von Weger mit zusammen 33.700 m³/h und über 160 Lüftungsauslässe
- Laborabluft für fünf Digestorien: je ein eigenes Abluftsystem mit eigenem Ablüfter, verrohrt in PPS
- Kaltwassersatz von Trane mit rund 190 kW zur Kühlung der Zuluft, Klimaanlagen für einzelne Räume
- Fernwärme über Erdleitung aus dem Altbau, Gartenbewässerung über Trennstation
- Gebäudeautomation von der Planung über Programmierung bis zur Inbetriebnahme aus einer Hand
- Einzelraumregelung nach Luftqualität und Präsenz in allen 37 Räumen
- Lüftung, Heizung, Kälte, Laborabluft und Brandschutzklappen auf einer Visualisierung
- 5 E-Line Controller von Saia Burgess Controls, ca. 630 Hardware-I/Os, über 300 Aktoren und Sensoren